Inselbegabung

Es heißt, dass ein Mensch, der sich in einem ganz bestimmten Bereich durch herausragende, intellektuelle Leistungen hervortut, über eine Inselbegabung verfügt. Üblicherweise wird in diesem Zusammenhang auch vom so genannten Savant-Syndrom gesprochen. Grundsätzlich werden zwei Savant-Varianten unterschieden.

Zum einen gibt es Menschen, die ohne Vorbereitung, ohne Übung oder dergleichen in der Lage sind, einzigartige Leistungen zu vollbringen. Andererseits gibt es behinderte Menschen, die ebenfalls jeweils für ihre Verhältnisse über höchst eindrucksvolle Fähigkeiten verfügen. Nach Ansicht von Experten liegt bei den meisten Personen mit einer Inselbegabung ein psychischer Defekt vor. Untersuchungen zufolge sind drei Viertel aller Inselbegabten männlich; bei mehr als die Hälfte aller Savants handelt es sich um Autisten. Im Film „Rainman“ ist beispielsweise eine bemerkenswerte Szene zu sehen, in welcher der Savant „Raymond“, nachdem eine Streichholzschachtel zu Boden fällt, sogleich die Zahl 165 nennt. Dies ist exakt die Anzahl der Streichhölzer, die sich in der Schachtel befunden hatte. Tatsächlich ist es zuvor autistischen Zwillingen gelungen, diese irreal erscheinende Leistung zu vollbringen, was später im Kinofilm übernommen wurde. Die Ursachen für das Savant-Syndrom sind bis heute nur teilweise erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass es im Falle frühkindlicher, entwicklungsspezifischer Störungen möglicherweise zu einem rasanten, atypischen Wachstum des Gehirns sowie zu einer außerordentlich schnellen Vermehrung nervenspezifischer Verbindungen kommt. Inwieweit diese Aussage jedoch überhaupt zutreffend ist, muss in weiteren, umfangreichen Forschungsarbeiten geklärt werden.

Bis dato ist das menschliche Gehirn an sich erst zu etwa zwei Prozent vollständig erforscht. Dementsprechend bedarf es sicherlich noch einer gewissen Zeit, bis das Phänomen der Inselbegabung in vollem Umfang erklärbar ist.